Dreschflegel Bio-Saatgut

Pflanzenportrait: Pickelig, glatt oder genetzt – die Gurke
(Autor: Ludwig Watschong, 2017)

Botanik und Sorten

Die Gurke (Cucumis sativus) gehört zur Familie der Kürbisgewächse und ist nahe mit der Melone (Cucumis melo) verwandt, aber diese beiden kreuzen nicht miteinander. So wie bei den Melonen und auch den Kürbissen sind die männlichen und weiblichen Blüten getrennt auf einer Pflanze zu finden.

Die weiblichen Blüten erkennt man daran, dass sich unterhalb der Blüte eine kleine Verdickung befindet, die nach der Bestäubung zur Frucht wird. Den männlichen Blüten fehlt diese Verdickung. Sie sitzen an einem längeren Stiel und weisen nur Staubgefäße auf.

Die Gurken zählen zu den Fruchtgemüsen, da sie wie Tomaten und Paprika um die Samen herum eine saftige Hülle bilden. Die Pflanzen bilden Triebe aus, die je nach Sorte bis zu einigen Metern oder aber relativ kurz (wie z.B. Balkon-Freude) sein können. In der Regel haben die Salatgurken längere Triebe als die Einlegegurken.

Die Samen brauchen zum Keimen eine Temperatur von 10 bis 12 °C. Die Gurkenpflanzen sind nicht ganz so wärmebedürftig wie Melonen und brauchen über die Vegetationszeit vor allem genügend Feuchtigkeit.

Alle Gurkenformen sind botanisch gleich, d.h. Salatgurken unterscheiden sich von Gewürzgurken nur in ihrer Form und der Tradition ihrer Verwendung. VerbraucherInnen wünschen sich kurze, pickelige Gewürzgurken und lange, glatte Salatgurken, auch wenn es ein Leichtes ist, glatte Gewürzgurken und pickelige Salatgurken zu züchten.

Gewürzgurke
Glatte Gewürzgurke "Russische Traube"

Vor einigen Jahrzehnten züchtete der mittelständische, damals noch selbständige Züchter Hild eine glatte Gewürzgurke, die sich aber auf dem Markt nicht durchsetzen konnte und wieder aus dem Anbau verschwand.

Dreschflegel hat zwei glatte Traubengurken im Sortiment: Balkon-Freude ist eine buschig wachsende Gewürzgurke, die dieses Jahr leider nicht angeboten wird. Die zweite ist die Sorte Russische Trauben, die man mit ihrer auch in der Jugend schon zylindrischen Form auch bei den kurzen Vespergurken einordnen könnte.

Als dritten Gurkentyp gibt es noch die Senf- oder Schälgurken, die nicht ganz so lang wie Salatgurken sind, aber wesentlich dicker (wie z.B. Riesenschäl). Hier gehört auch die Netzgurke hin, die ihren Namen vom indischen Bundesstaat Sikkim bekommen hat und schon recht früh eine netzartig verhornte braune Schale ausbildet.

Weiße Schlangengurke
Weiße Schlangengurke

Auch wenn die meisten Gurkenformen eine grüne Schale tragen, gibt es neben der braunen De Sikkim und der gelben Zitronengurke auch weiße Gewürz- und weiße Schlangengurken (wie z.B. Weiße Spangenberg und Weiße Lange).

In Asien hat sich eine große Vielfalt an unterschiedlichen Formen entwickelt, wie runde, gelbliche, apfelartige Gurken oder extrem lange Gurken, die vor allem in Japan bis über einen Meter Länge erreichen können.


Geschichte

Ursprungsgebiet der Gurken ist Indien. Dort wachsen noch heute wilde Formen der Gurke, die aber ausnahmslos bitter sind. Archäologisch hat man merkwürdigerweise aus der Zeit der Induskultur (ab 2.800 v.Chr.) nur Melonensamen gefunden.

Die ersten Gurkensamen aus archäobotanischen Grabungen im heutigen Irak sind aus der Zeit um 700 vor Christus bekannt. Es könnte Hinweise aus sumerischer Keilschrift geben (3.000 v. Chr.), aber man ist sich nicht sicher, ob es sich dabei wirklich um eine Bezeichnung für Gurken handelt.

Gewürzgurke
Gewürzgurke

Im alten Ägypten war die Gurke anscheinend unbekannt. Erst durch die Ausweitung des römischen Herrschaftsgebietes verbreitete sie sich. Auch damals war es schon üblich, die Gurken in Salzlake oder in Essig zu konservieren und an heißen Sommertagen zu genießen.

Der Anbau der Gurken wanderte von Osten nach Westen. Im Mittelalter waren die Hauptanbaugebiete für Gurken in Mitteleuropa die Gebiete an der Spree und in Schlesien. Hierzulande sind die Spreegurken immer noch ein Begriff, doch auch um Halle und Erfurt sowie in Württemberg werden heute in größerem Umfang Gurken angebaut.


Inhaltsstoffe

Die Gurke kann man nicht gerade als nährstoffreich bezeichnen. Gurken bestehen zu 96% aus Wasser; an Mineralien sind Kalium und Kalzium erwähnenswert. An Vitaminen gibt es etwas Carotin sowie B1, B2 und B6.

Zwar enthalten die Samen viel Öl und Eiweiß, was aber nicht für die Ernährung genutzt wird. Leider können sich in Gurken durch Stresseinwirkung immer wieder mal giftige Bitterstoffe entwickeln.

Diese Bitterstoffe wandern vom Stiel her in die Gurke ein. Deshalb lohnt es sich, an beiden Enden zu probieren. Alles, was nicht bitter ist, kann gegessen werden. Bei Gewürzgurken kann man die Bitterstoffe durch Einlegen in Sodawasser über Nacht unschädlich machen.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Gurken ausreifen zu lassen und sie dann als Senf- oder Schmorgurken zu nutzen, da die Bitterstoffe im Laufe der Reifung abgebaut werden.


Krankheiten und Schädlinge

Schnecken können die Jungpflanzen fressen, und mitunter können sich besonders im Gewächshaus winzige Spinnmilben auf den Blättern einfinden, die, wenn sie in großer Zahl auftauchen, den Stoffwechsel der Pflanzen beeinträchtigen.

Wesentliche Krankheiten, die fast jedes Jahr zu erwarten sind, sind der echte und der falsche Mehltau. Vor allem in oder nach verregneten Wetterphasen erscheint der falsche Mehltau. Er tritt meist ab Juli auf und zeigt sich als braune Blattflecken zuerst auf den unteren verdeckten, ältesten Blättern. Die ersten befallenen Blätter sollten entfernt werden, um eine Ausbreitung der Krankheit zu verringern.

Der echte Mehltau zeigt sich in heißen, trockenen Wetterabschnitten, v.a. ab Spätsommer. Es sind kleine, weiße, wie bemehlt aussehende, runde Flecken, die sich über das ganze Blatt ausbreiten. Im Anfangsstadium kann man mit verdünnter Milch spritzen oder befallene Blätter entfernen. Aber man sollte alle Früchte ernten, bevor sich der Pilz auch auf die Früchte ausbreitet.


Anbau

Eine Anzucht im Topf ist anzuraten, um zum einen die Jungpflanzen vor Frost geschützt vorziehen zu können und zum anderen die Jungpflanzen vor Schnecken-Fraß zu bewahren.

Die Voranzucht sollte Mitte bis Ende April am Fensterbrett oder im Gewächshaus erfolgen. Die erste Anzucht findet in 5-cm-Töpfchen mit zwei Keimlingen statt, und Anfang bis Mitte Mai werden beide zusammen noch mal in größere Töpfe (10er oder 12er Töpfe) umgetopft.

Ende Mai kann man dann die Pflanzen in die Beete setzen. Ins Pflanzloch gibt man noch zwei Handvoll Kompost. Der Trieb sollte nach dem vierten Blatt ausgebrochen werden, um das Wachstum der Seitentriebe zu fördern. Diese bilden dann mehr weibliche Blüten und damit auch mehr Früchte aus.

Gewürzgurken können auch in unseren Breiten gut im Freiland gezogen werden, bei Salatgurken erhöht und verfrüht sich die Ernte, wenn sie im Gewächshaus oder im Folientunnel angebaut werden.

Wenn die Triebe auf dem Boden liegend wachsen, brauchen sie eine große Fläche. Diesen Flächenverbrauch kann man reduzieren, indem man die Triebe an einem Rankgitter (z.B. Baustahlmatte) wachsen lässt. Sie können sich daran mit ihren Ranken festhalten.

Bei den Salatgurken führen die hängenden Gurken zu meist geraden Früchten. Für Schlangengurken muss man bei flächigem Wuchs mehr Platz berechnen als für Gewürzgurken. Man rechnet ungefähr einen Quadratmeter pro Töpfchen (zwei Pflanzen).

Die Triebe können längs gelegt werden, dann bilden sich Reihen, oder sie werden um die Pflanze herumgelegt, dann bilden sich Horste. Wichtig ist es, anfangs auch unter den Trieben zu hacken, damit die Beikräuter nicht zu einem feuchten Milieu unter dem Blätterdach führen.

Wenn das Blätterdach dann dicht ist, kommen auch keine Beikräuter mehr hoch. Die Gurken freuen sich über eine gleichmäßige Wasserzufuhr. Auf keinen Fall sollte man bei praller Sonne gießen und möglichst mit angewärmtem Wasser.


Verwendung

Traditionell gibt es drei Verwendungsarten von Gurken. Das ist zum einen als Salat, zum anderen als süss-saure Gewürzgurke und zum dritten die Verwendung als reife Gurke.

Zum Salat nimmt man am ehesten die schlanke, lange Gurke, hobelt sie fein und macht sie mit Joghurt oder Schmand und Dill an.

Von den Gewürzgurken kann man die größeren in eine Salzlake einlegen, da beginnt dann eine Milchsäuregärung. Die mittleren und kleineren Früchte kocht man als Gewürzgurken ein. Dazu verwendet man Meerrettichstücke, Dill und Senf, meist kommen auch noch Zwiebeln und kleine Möhrenstücke dazu. Das Ganze wird dann mit einem kochenden Sud aus Wasser, Essig und etwas Zucker und Salz übergossen und luftdicht verschlossen.

Reife Gewürzgurke
Reife Gewürzgurke "Extra Early"

Die dritte Art der Verwendung ist die reife Gurke, die eine gelbe Schale entwickelt hat, aber noch saftig ist. Dafür wird sie geschält, die Samen entfernt und dann in Stücke geschnitten. Diese werden dann wie Gewürzgurken eingekocht oder direkt in der Küche verwendet. In diesem Zustand nennt man sie im Handel auch Schlesische Gurken.

Man kann aus diesen reifen Gurken im Sommer auch erfrischende kalte Gurkensuppen machen oder sie als Senfgurken mit Dill und Senf kurz aufkochen, etwas andicken und heiß mit Kapern und pochierten Eiern essen. Für diese Verwendung wurden früher spezielle Gurkensorten gezüchtet, die etwas kürzer und etwas dicker (mit dickerem Fruchtfleischanteil) sind als Salatgurken.

Für das pochierte Ei wird einfach zum Ende der Kochzeit die Temperatur heruntergedreht, und man lässt vorsichtig ein oder mehrere Eier in die Suppe gleiten. Dann muss die Suppe noch ohne zu rühren einige Minuten ziehen. Reife Gurken mit Schale können gewürfelt mit Zwiebeln als Schmorgurken oder wie Zucchini gefüllt und gebraten werden.


Informationen zu Bitterstoffen in Gurken


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