Dreschflegel Bio-Saatgut

Pflanzenportrait: Gersten-Evolutionsprojekt (Autor: Ludwig Watschong)

Nachdem Dreschflegel nun schon einige Jahre die Weizenevolutionsreihe anbietet, haben wir nun auch eine Gerstenevolutionsreihe zusammengestellt. Der Sinn dieser Reihe ist, anhand von ausgesuchten Sorten die Entwicklungsgeschichte und die Vielfalt innerhalb dieser Art darzustellen.

Eine Broschüre, die mitgeliefert wird, informiert umfangreich über die Kulturwerdung, die geographischen Aspekte ihrer Evolution, ihre weltweite Nutzung und ihre vielfältige Bedeutung auf wirtschaftlicher und politischer Ebene.


Herkunft

Die Gerste begleitet die Menschen seit ihrer Sesshaftwerdung vor ca. 10.000 Jahren.

Die Entwicklung der Gerste begann mit der Wildgerste Hordeum vulgare ssp. spontaneum, eine zweizeilige Gerste mit kleinen bespelzten Körnern, die bei Berührung abfallen und sich mit Hilfe von Widerborsten auf den starken Grannen in den Boden bohren.

Vor 9.000 bis 10.000 Jahren gab es nur zweizeilige Kultursorten, die mehrzeiligen Sorten entstanden später (vor ca. 8.000 Jahren).

In der Geschichte gab es zwei Hauptmutationen hin zu den Kulturformen, eine davon im Nahen Osten, aus der die westlichen Formen entstanden, eine andere in Fernost.

In Asien entstanden vor allem mehrzeilige nackte Formen, auch ohne Grannen, in Äthiopien gibt es eine Vielfalt an zweizeiligen nackten Sorten. Bei uns in Europa kam zuerst die mehrzeilige Art an, erst im Mittelalter wurde verstärkt auch die zweizeilige Form vor allem für die Bierherstellung angebaut.


Botanik

Eine Besonderheit der Gersten ist ihre Wandlungsfähigkeit bei den Körnern. Sie kommt in vielen Farben vor. Es gibt nicht nur die hell- oder dunkelbraunen Samen, sondern auch Sorten mit gelben, blauen, grauen, roten und schwarzen Körnern.

Bei den mehrzeiligen Sorten unterscheidet man die vierzeiligen von den sechszeiligen, was aber nur durch unterschiedlich angeordnete Kornreihen in der Ähre entsteht. Bei der zweizeiligen Art steht pro Spindelglied ein Korn, bei den mehrzeiligen stehen drei Körner.

In Japan wurde eine eher runde Form entwickelt, die sich Uzu nennt, die zusammen mit rundem Reis gekocht wird. Die Bedeutung eines Inhaltsstoffes (Beta-Glucan) wurde erst in den letzten Jahren intensiv erforscht. Er kann im Korn bis zu 9% erreichen, auch im Hafer fand man diesen Heilstoff (bis zu 5%). Er stärkt die Körperabwehr und hilft bei Herz-Kreislaufproblemen.

Im Unterschied zum Weizen weisen alle Formen der Kulturgerste nur ein diploides Genom (doppelter Chromosomensatz à 7 Chromosomen - 2n = 14) auf. Ihre Besonderheit liegt in ihrer enormen Fähigkeit, sich an alle möglichen Standortansprüche anzupassen.

Daraus resultiert:

  • Sie ist überall in der Welt anzutreffen (mit Ausnahme der Tropen).
  • Sie ist salzverträglicher als der Weizen und kann deshalb in Küstennähe angebaut werden.
  • Sie ist kältetoleranter mit kürzerer Vegetationszeit und kam deshalb bei ihrer Wanderung mit den Menschen hoch in die Berge und weit in den Norden.
  • Sie ist anspruchsloser und kann auch auf nährstoffärmeren Böden angebaut werden.
  • Sie benötigt weniger Wasser und ist deshalb eine wichtige Nahrungsgrundlage in trockenen Gebieten.

Züchtung

Bis vor hundert Jahren hatte sich auch in Europa eine große Vielfalt an angepassten Sorten herausgebildet. Mit der modernen Züchtung reduzierte sich nicht nur die Anzahl der Sorten, auch die genetische Bandbreite verengte sich immens durch wenige Ausgangssorten, um breit anbaufähige Sorten (kommen mit den unterschiedlichsten Bodenverhältnissen klar) zu erhalten.

2006 gab es die ersten Freisetzungen gentechnisch veränderterter Gerste. Diese Versuche stießen in Deutschland auf starke Kritik und mussten vor allem auf Druck der Brauindustrie nach einigen Jahren eingestellt werden.

Die heutige Züchtung konzentriert sich auf hohen Ertrag, Krankheitsresistenzen und Frühzeitigkeit vor allem für zweizeilige Brausorten, aber es gibt auch einige Bio-Züchter die an standortangepassten Sorten arbeiten.

Dies ist notwendig, da in einer gewünschten Kreislaufwirtschaft angestrebt wird, das Tierfutter auf dem eigenen Hof zu erzeugen. Noch besser wäre es, wenn sich Landwirte entscheiden könnten, sich ihre eigene Hofsorte zu erschaffen.


Verwendung

Die Nutzung richtet sich nach den Inhaltsstoffen. Dort, wo die Menschen keinen Weizen anbauen konnten, diente die Gerste der menschlichen Ernährung, ansonsten war sie vor allem Tierfutter.

In der Tierfütterung werden die eiweißreichen Sorten (glasige Körner) bevorzugt, die auch gut zum Poppen genutzt werden können.

Auch die Vergärung (Bier brauen) ist eine sehr alte Verwendungsform. Für die Bierherstellung werden die stärkereichen Sorten gebraucht. Meist sind die für Bier verwendeten Sorten zweizeilige Sommergersten, die Futtersorten mehrzeilige Winterformen.

In Gebieten, wo die Gerste Nahrung der Menschen war, setzten sich nackte Gerstensorten durch, ansonsten überwogen die Spelzformen. Auch heute liegt der Hauptanbau in Europa bei den Spelzsorten, da die Spelzen beim Brauvorgang eine Filterwirkung entfalten und bei der Fütterung der Tiere den Rohfaseranteil erhöhen.

Selbst die für den Menschen produzierten Gerstengraupen werden hier durch Schleifvorgänge aus Spelzsorten geschaffen. Das Korn ist bei der Spelzgerste nicht wie bei Einkorn oder Dinkel nur sehr fest im Spelz eingeschlossen, sondern untrennbar mit dem Spelz verwachsen. Deshalb ist die Nacktform für die menschliche Ernährung eindeutig im Vorteil, aber leider nur minimal im europäischen Anbau zu finden.


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