Dreschflegel Bio-Saatgut

Samenbau: Kopfkohl (Autorin: Maren Uhmann)

Botanische Zuordnung und Herkunft

Viele unserer Gemüse gehören zu der Art Brassica oleracea, dem Gartenkohl, weshalb sich unsere Samenbaureihe dieses Jahr mit ihnen beschäftigen soll.

Da die verschiedenen Kohlformen, die auf den Wildkohl zurückgehen, eine unglaubliche Vielfalt in Aussehen und Nutzung herausgebildet haben, ist auch das Vorgehen bei der Vermehrung sehr unterschiedlich. Um es ein bisschen überschaubarer zu halten, soll es hier nur um Kopfkohl, also Weiß- und Rotkohl sowie Wirsing gehen.

Wichtig ist: Sie können alle miteinander kreuzen, also auch die anderen Vertreter dieser Art, wie Rosenkohl, Kohlrabi, Grünkohl (nicht dazu gehören Radieschen, Rettich, Steckrübe). Die Bestäubung erfolgt im Wesentlichen durch Insekten, weshalb entweder jedes Jahr nur eine Sorte vermehrt werden kann oder eine räumliche Trennung gewährleistet sein muss.


Auslese und Überwinterung der Samenträger

Der Anbau ist zunächst identisch mit dem Anbau zur Speisenutzung. Im April wird der jeweilige Kohl gesät, dann pikiert, gepflanzt und über Sommer gepflegt.

Im Herbst zur Ernte werden nun sehr kräftige und gesunde Pflanzen als Samenträger nach den eigenen Wünschen ausgelesen: Kriterien könnten zum Beispiel Form des Kopfes, Blattstellung, Farbe des Kopfes, Farbe des Umblatts, bei Wirsing die Kräuselung der Blätter sein.

Die ausgewählten Exemplare (10 bis 15 sollten es schon sein, um Inzuchtdepressionen vorzubeugen) werden nun mit Wurzelballen ausgegraben und in Töpfe, Eimer oder Kisten gepflanzt, am besten in eine Mischung aus wenig Erde und viel Hobelspäne, da diese das Wasser gut hält und insgesamt nicht zu schwer ist.

Nun gilt es, die Samenträger gut über den Winter zu bekommen. Je nach Sorte gelingt das unterschiedlich leicht. Ein Lagerweißkohl sollte ohne Probleme den Winter überstehen, meinen Erfahrungen nach kann er einfach im Keller bleiben, muss ab und zu gegossen und evtl. nachgeputzt werden, wenn die Köpfe von außen anfangen zu gammeln.

Bei allen Sorten, die nicht auf lange Lagerfähigkeit gezüchtet sind, und speziell bei Wirsing ist die Überwinterung oft nicht von Erfolg gekrönt. Die Samenträger stehen besser draußen am Licht, müssen bei Frost aber reingetragen werden.

Die äußeren Kopfblätter gammeln meist nach und nach weg und müssen regelmäßig entfernt werden. Sollte mal ein ganzer Kopf im Lager oder auch noch kurz nach dem Auspflanzen dahingerafft werden, treiben oft trotzdem noch Seitentriebe aus, die zwar längst nicht soviel Saatgut ausbilden wie der Haupttrieb, aber für den Hausgarten trotzdem völlig ausreichen.

Was sich laut Aussagen von KollegInnen auch bewährt und sich speziell für den Hausgarten anbietet, ist folgende Methode: gepflanzt werden nur die Strünke, die Kohlköpfe können über Winter nach und nach gegessen werden, die Schnittstellen werden mit Asche oder medizinischer Holzkohle aus der Apotheke bestrichen, damit diese trocknen und nicht von Fäulniserregern befallen werden.


Anbau im zweiten Jahr

Sobald es im Garten wieder losgeht, also ab März/ April, können die Samenträger rausgepflanzt werden. Sie brauchen viel Platz, ein Abstand von 50 cm mal..50 cm hat sich bewährt.

Da besonders der Lagerkohl auf feste Köpfe gezüchtet worden ist, müssen spätestens zum Pflanzen die Köpfe entblättert werden, da der Haupttrieb es sonst nicht schafft, durch die Blätter zu brechen. Dazu werden die Köpfe kreuzweise tief eingeschnitten und die Viertel rausgebrochen, am Strunk wird nochmal nachgeschnitten, nicht zu tief, da dort in den Blattachseln schon kleine Knospen sitzen. Der Kopf muss allerdings bis auf Faustgröße runtergeputzt werden.

Nach der Pflanzung kann man schön beobachten, wie die Pflanzen austreiben und mit der Zeit zu stattlicher Größe heranwachsen. Damit diese nicht abbrechen, müssen sie mit Pflöcken und Schnüren gestützt werden.

Leider beginnen mit der Blüte oft die nächsten Probleme, zumindest in Gegenden mit Rapsanbau: die Rapsglanzkäfer kommen und können enormen Schaden anrichten und leider nicht nur diese.

Kohlschotenrüssler und vor allem auch die mehlige Kohlblattlaus können zu einem kompletten Ausfall führen. Davor (wie auch vor unerwünschter Einkreuzung) schützt ein engmaschiges Kulturschutznetz, wobei dann für Bestäuberinnen gesorgt werden muss.

Wir verwenden dafür Fliegen, deren Maden im Angelbedarf erhältlich sind. Das Schlüpfen der Fliegen dauert ungefähr zwei Wochen, deswegen ist es wichtig, gut zu beobachten, wann die Kohlblüte beginnt, um rechtzeitig für Fliegen und infolge auch für regelmäßigen Nachschub zu sorgen.

Manchmal überwintert die mehlige Kohlblattlaus allerdings schon an den Samenträgern. In diesem Fall ist ein Kulturschutznetz kontraproduktiv, da sich keine Nützlinge einfinden können. In diesem Fall ist es besser, auf das Netz zu verzichten.


Ernte

Wenn die Kohlpflanzen soweit alles gut überstanden haben, danken sie die Pflege mit einem enormen Samenertrag. Im August beginnt die Ernte der Zweige, die Schoten sollen trocken sein, dürfen aber noch nicht aufplatzen. Geerntet werden sie mit einer Rosenschere.

Sie können einfach locker in einen Bettbezug gestopft werden, der danach an einen sonnigen, trockenen Ort gehängt wird. Dort können die Samen einfach nur durch kräftiges Schütteln und Schlagen des Bettbezugs ausgedroschen werden, da die reifen und trockenen Schoten ganz leicht aufplatzen. Die Samen sammeln sich unten im Bezug, der Ausdrusch kann vorsichtig abgehoben und bei Bedarf noch einmal durchgesiebt werden.

Die runden schwarzen Samen des Kohls (Achtung: immer alles gut etikettieren, da sich die Samen der verschiedenen Sorten nicht oder kaum voneinander unterscheiden lassen!) lassen sich leicht mit Hilfe von Sieben und/ oder etwas Wind reinigen.

Gut ausgereiftes Kohlsaatgut bleibt unter den richtigen Lagerbedingungen (kühl und trocken) mindestens vier Jahre lagerfähig, danach lassen Keimfähigkeit und vor allem Triebkraft langsam nach.

Da bei einer gelungenen Vermehrung meist viel mehr Saatgut anfällt, als im Hausgarten benötigt wird, bietet es sich an, Saatgut zu tauschen und eventuell Absprachen mit anderen experimentierfreudigen GärtnerInnen zu treffen, so dass verschiedene Kohlsorten in verschiedenen Gärten ohne die Gefahr der Einkreuzung vermehrt werden und so die eigene Saatgutvermehrung eines größeren Sortenspektrums sichergestellt werden kann!


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