Färberwaid
Dreschflegel-Info Sorten

Spezielles - von Jutta Scheurenberg
Eigenschaften und Herkunft
Färberwaid ist auch unter anderen Namen bekannt: Waid, deutscher Indigo, blaues Gold. Ursprünglich stammt er aus den Steppengebieten um den Kaukasus, Inner- und Vorderasien bis Sibirien. Heute ist er durch den Anbau und Verschleppung bis nach Ostasien, Indien, Nordafrika und in großen Teilen Europas verbreitet.
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Der Färberwaid wurde schon vor ca. 2000 Jahren als Pflanze zum Blaufärben eingesetzt. Da der Färberwaid die einzige Pflanze war, mit der Textilien farbecht blau einfärbbar gewesen sind, führte der Anbau im Mittelalter zu großem Wohlstand in den Städten der Hauptanbauzentren. Diese befanden sich im deutschsprachigen Raum in Thüringen und im Dreieck Aachen, Jülich und Köln.
Schon fast in Vergessenheit geraten, wurde der Waid als Holzschutzmittel wieder entdeckt. Die wirksamen, isolierten Substanzen aus dem Waidextrakt werden heute als Holzschutzmittel zum Verkauf angeboten. Sie wirken unter anderem gegen den Echten Hausschwamm, Kellerschwamm und werden auch effektiv gegen Larven des Hausbockkäfers eingesetzt.
Auch in kosmetischen Artikeln sind häufig Extakte aus dem Waid zu finden, da er einen positiven Einfuss auf strapazierte Haut haben soll.

Anbau und Standort
Der Waid mag lockere, nähr- und stickstoffhaltige sowie kalkhaltige Lehmböden. Er sollte sonnig und windgeschützt stehen. Auf schweren Kalkböden erreicht man den höchsten Indigogehalt.
Eine Vorzucht im Februar / März bietet sich an, im Mai kann er dann an Ort und Stelle verpflanzt werden. Da der Waid sehr langsam wächst, müssen die schnell wuchernden Beikräuter in seiner direkten Umgebung immer wieder entfernt werden, da sie dem ihm sonst Nährstoffe entziehen. Der Waid ist selbstverträglich, das heißt er kann auch im dritten Jahr wieder am gleichen Standort angebaut werden.
Geerntet werden die Blätter, nicht die Blüten. Die Ernte kann im Juni/Juli und nochmals im September erfolgen. Dazu schneidet man die Blattrosette ab, wenn die untersten Blätter hart werden (kurz vor Welkebeginn) und erntet dabei die Blätter. Anschließend treibt eine neue Rosette aus. Nur die ersten zwei Ernten sind ergiebig.
Nachdem sich im späten Frühjahr des zweiten Jahres Blütenschäfte und Samenschoten ausgebildet haben, muss das Beet im Spätsommer gut durchlüftet werden. Das kann durch Herausziehen der tiefen Wurzeln oder durch Unterpflügen geschehen.

Inhaltsstoffe
Der gelb blühende und bis zu 130cm hohe Waid stammt aus der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae). Es handelt sich beim Waid um eine zweijährige Pflanze, die im ersten Sommer eine Rosette mit grünen, länglichen Blättern ausbildet. Im zweiten Jahr bilden sich die Blütenschäfte und die schwarzen Samenschoten. Isatis tictoria enthält Isatan, ein Indoxyl-5-ketogluconat

Verarbeitung der Pflanze
Zum Färben werden die geernteten Blätter eingesetzt. Sie werden an der Sonne getrocknet bis sie blaugrün sind. Anschließend werden sie so lange in Wasser eingeweicht, bis sich die Flüssigkeit etwas grün verfärbt und dann die Blätter abgefiltert. Durch Belüften des gefilterten Wassers, z.B. durch aufschlagen des Wassers mit einer Weidenrute, färbt sich das Färbegut Indigoblau.
Macht man es nach der alten Methode, so werden die frischen Blätter leicht angewelkt, gemahlen und mit Wasser zu einem Teig verarbeitet. Dieser wird fünfzehn Tage gegoren und dann zu Kugeln geformt und getrocknet. So ist der Waid lagerfähig. Nässt man den Färberwaid nun mit Ammoniak wieder an und lässt ihn nochmals trocknen, so wird er pulverisierbar, kann gesiebt werden und eingelagert oder zum Färben verwendet werden.
Beispiel zum Blaufärben von 1kg Wolle:
- 1kg Waid- Pulver wird in 7,5 l kalten Wasser aufgelöst
- danach wird diesem Wasser 60g Hydrosulfit und 250ml 25% haltige Natronlauge zugeführt
- alles wird langsam auf 50°C erhitzt und dann 15min intensiv bei der Temperatur gerührt
- dann 1kg Wolle hinzugeben und etwa eine Stunde weiterkochen
- mit Seifenlauge die Wolle so lange spülen bis das Wasser klar bleibt
- anschließend zum Trocknen aufhängen
Bei der "Blaufärberzunft" wurde die Küpe am Samstag angesetzt. Die Wolle wurde darin liegen gelassen. Da die blaue Farbe erst durch Einwirkung von Sauerstoff entsteht, wurden die Textilien am Montag an die Luft gehängt. Die Arbeiter hatten dann den Rest des Tages frei. Daher kommt auch der Ausspruch "blau machen".

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