Dreschflegel Bio-Saatgut

Samenbau: Kürbis und Zucchini (Autor: Jens Eichler)

Botanische Zuordnung

Bei Kürbissen und Zucchini gibt es männliche und weibliche Blüten. Die Pflanzen sind Fremdbefruchter und kreuzen sich munter innerhalb einer Art, wobei die Bestäubung durch Insekten erfolgt. Hauptsächlich haben wir es mit den ersten drei der vier Hauptarten aus der Gattung der Kürbisgewächse zu tun:

  1. Cucurbita pepo: Gartenkürbis. Zu dieser Art zählen unter anderen die Zucchini, Patissons, viele Halloween Kürbisse, Ölkürbisse und viele Zierkürbisse. Pepo-Kürbisse werden als "Sommerkürbisse" unreif, als "Winterkürbisse" reif gegessen. Ausgereift haben sie eine harte Schale. Zu erkennen sind Pepos an dem fünfkantigen, harten Fruchtstiel, der leicht stachelig ist und zur Frucht hin breiter wird.
  2. Cucurbita maxima: Riesenkürbis. Hierzu zählen u. a. die Hokkaidos, diverse Zentner, Turban-Kürbisse, etc. Bei dieser Art ist der Fruchtstiel dick, verkorkt und rund. Er wird zur Frucht hin schmaler und bei Fruchtreife löst er sich manchmal von der Frucht.
  3. Cucurbita moschata: Moschuskürbis. Bekannt sind Butternut oder Muscade de Provence (einen Überblick verschafft hier, wie auch bei den anderen Arten, unser Angebotsteil!). Diese Art ist besonders wärmeliebend und hat eine längere Reifezeit. Die Fruchtstängel sind kantig, oft rau und ähneln einem Stempel, der auf die Frucht geklebt ist.
  4. Cucurbita ficifolia: Feigenblattkürbis. Diese Kürbisse sind grün und/oder weiß und sie erinnern an eine Wassermelone. Die schwarzen Kerne sind im Fruchtfleisch verteilt.

All diese Kürbisse kreuzen sich normalerweise nur innerhalb der gleichen Art, so dass sie nebeneinander mit jeweils einer Sorte pro Art vermehrt werden können, wenn der Garten nur groß genug ist ...


Der Anbau

Grundsätzlich unterscheidet sich die Saatgutvermehrung bei Kürbissen und Zucchinis kaum von der üblichen Anbaupraxis:

Ich säe meine Kürbisse Mitte April aus, um sie nach den Eisheiligen direkt zu pflanzen. Gerade bei Sorten mit einer langen Reifezeit ist ein zeitiger und guter Start wichtig.

Die Pflanzen brauchen ausreichend Platz, um sich gut entwickeln zu können, und benötigen eine ganz normale gärtnerische Pflege.

Beim Samenbau gilt übrigens: je mehr, desto besser. Mindestens sollten 10 bis 15 Pflanzen angebaut werden. Aus genetischer Sicht ist das immer noch sehr wenig, aber aus GärtnerInnen-Sicht wahrscheinlich schon zu viel.

Wenn es sich um Sorten handelt, die auf dem Markt regelmäßig verfügbar sind, kann man vielleicht auch mit weniger Pflanzen arbeiten und einfach über die Jahre beobachten, ob die Sorte vital bleibt. Wenn aber eine seltene, alte oder besondere Sorte vermehrt wird, sollten wirklich ausreichend Pflanzen miteinander abblühen können, um einer genetischen Verarmung vorzubeugen.

Ein Trick: einfach enger pflanzen! Wenn allerdings selektiert werden soll, sollte jede Pflanze genug Platz bekommen.


Selektion

Ich nutze bei meinen Zucchini den Fruchtknoten der ersten angesetzten Frucht zu einer ersten Kontrolle der Sortenreinheit: Man kann am Fruchtknoten bereits vor dem Öffnen der Blüte die Grundform und Farbe der Frucht erkennen. Sollte mir hierbei eine Veränderung auffallen, nehme ich die Pflanze aus dem Bestand.

Wenn beim Öffnen der ersten Blüten noch kaltes und nasses Wetter herrscht, dann schneide ich die erste Frucht ab, weil sie oft nicht viel Saatgut enthält, und nutze die zweite und/oder dritte für die Samenernte.

Bei den Zucchini müssen wir damit rechnen, dass die Pflanze aufhört, weitere Früchte anzusetzen, sobald zwei bis drei Früchte an der Pflanze belassen werden. Ich empfehle also, nicht alle Pflanzen des Bestandes für die Saatguterzeugung zu nutzen und einige für die Küche zu beernten. Sie dienen ja über die männlichen Blüten trotzdem der Befruchtung.

Bei den Maxima- und Moschata-Kürbissen habe ich die beschriebene Kontrolle und die Entnahme der ersten Frucht nie gemacht und trotzdem gute Ergebnisse erzielt.

Die Zeit des Heranreifens der Früchte nutzen wir auch für die Selektion: wir können Beobachtungen anstellen zu Wuchs, Gesundheit, Fruchtansatz, Frühzeitigkeit, etc.

Besondere Pflanzen sollten wir markieren. Pflanzen, die negativ auffallen, nutzen wir nicht zur Saatguternte, sondern entnehmen sie, bevor die ersten Bestäubungen stattgefunden haben.


Vorsicht: Verkreuzung

Eigentlich ist Verkreuzung das größte Problem bei der Kürbisvermehrung im Hausgarten, denn in vielen Gärten wachsen Kürbisse und in fast allen Zucchini.

In der Literatur werden Mindestabstände von 300 m genannt, sofern der Zwischenraum reich strukturiert und für die Insekten interessant ist. Sonst bleibt die Möglichkeit, mit anderen GärtnerInnen Absprachen über die angebauten Sorten zu treffen, eine Versorgung mit Jungpflanzen (der zu vermehrenden Sorte) anzubieten, oder bei Kürbissen einen Teil der ohnehin zu großen Ernte anzubieten.

Sollte es doch zu einer Verkreuzung kommen, kann es ziemlich spannend sein, zu sehen, was da so alles entsteht. Vorsicht ist hier allerdings bei den Pepo-Kürbissen geboten, denn zu dieser Art zählen auch viele der ungenießbaren Zierkürbisse.

Leider geben sie diese Ungenießbarkeit auch gerne weiter: die Früchte schmecken dann bitter und sollten nicht verzehrt werden. Hier lohnt es sich also auf jeden Fall, gut aufzupassen. Ist eine Sorte erst mal verkreuzt, ist es schwierig oder im Hausgarten kaum möglich, sie wieder "sauber" zu bekommen.

Es gibt noch die Möglichkeit der Isolation des Bestandes mit dem Einsatz von Hummeln oder Bienen als Bestäuber oder die Variante der kontrollierten Bestäubung von Hand. Mit beidem habe ich keine Erfahrung und möchte daher bitten, in der weiterführenden Literatur nachzuschlagen, falls hier Interesse besteht.


Ernte, Saatgutgewinnung und Lagerung

Zucchini verändern ihre Farbe, und die Fruchtschale wird richtig hart. Die Kürbispflanzen sterben ab, und die Kürbisse liegen zum Einsammeln bereit. Das sollte auf jeden Fall vor der ersten Frostnacht geschehen sein, wenn die Früchte lagerfähig sein sollen.

Jetzt kann noch mal eine Selektion stattfinden, denn wir können nun endlich die einzelnen Früchte beurteilen und sie anhand der Ranken auch noch der jeweiligen Mutterpflanze zuordnen, und uns so besondere Früchte heraussuchen, die für die Saatguternte bestimmt sind.

Die Zucchini "schlachte" ich ziemlich bald nach der Ernte, vielleicht im November, da sie in der Regel gut ausgereift sind. Die Maxima- und vor allem die Moschata-Kürbisse werden eingelagert, denn die Samen reifen noch in den Früchten nach! So etwa zwei Monate in einem mindestens 12 °C warmen Raum sind schon prima.

Die Früchte werden mit einem Messer oder Beil geöffnet und die Samen herausgekratzt. Ich lasse die im Fruchtfleisch hängenden Samen gerne eine Nacht lang im Wasser liegen, bevor ich sie säubere, weil sich dann das Fruchtfleisch besser löst und das Absieben leichter geht.

In der Literatur wird häufig das Vergären der Kerne im Fruchtfleisch empfohlen, auch wegen einer angeblich besseren Keimfähigkeit. Aber das sofortige Pulen oder meine Methode sind sehr sicher, samenschonend und nicht so geruchsintensiv wie die Vergärung.

Nun ist es wichtig, die Samen zügig und ausreichend lange zu trocknen, am besten auf Rosten in bewegter Luft. Auf dem Küchentuch ausgebreitet geht es auch, wenn es nicht zu viele Samen sind.

Übersteigt die Anzahl der Samen den Bedarf deutlich, sollte sichergestellt sein, dass immer mit den Samen aus verschiedenen Früchten verschiedener Pflanzen weiter vermehrt wird.

Die Kürbissamen sind bei kühler und trockener Lagerung vier bis fünf Jahre keimfähig und entschädigen so für den Platzbedarf und die zu bewältigenden Mengen bei Anbau und Ernte.


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